Werkmeisterschule Mechatronik am BFI Salzburg

Kaum ein technischer Beruf wird den Schlagworten der Stunde: Industrie 4.0, Digitalisierung, Automatisierung, Robotik, smarte und intelligente Systeme – bezeichnender Weise – mehr gerecht als der, der Mechatronikerin oder des Mechatronikers. Damit verbunden ist jedoch ein hoher Anspruch, insbesondere die Nahtstellen zwischen Mechanik, Elektrotechnik, Elektronik und Informatik zu verstehen. Werkmeister/innen der Mechatronik werden demnach besonders in hochautomatisierten Fertigungsbetrieben der Industrie, aber auch kleineren, innovativen Gewerbebetrieben – in der Ausprägung technischer Generalisten – mit offenen Armen empfangen. Ein gerüttelt Maß systemischen Denkens ist heute notwendig, mechatronische Systeme in Ihrer Gesamtschau wahrzunehmen. Eine Fertigkeit, die Werkmeister/innen der Mechatronik auszeichnet, technische Führungsaufgaben zu übernehmen und die in der Werkmeisterschule am BFI Salzburg feingeschliffen wird.

Neben dem fachlichen und methodischen Input, den Sie durch ein kompetentes Referent/innen-Team erhalten, fokussiert die BFI-Mechatronik-Ausbildung auf eigenständiges Arbeiten. Neben klassischem Präsenzunterricht sind Individualphasen in Form von Fernlehre bzw. Fernlernen zu bewerkstelligen. In unterschiedlichen E-Learning-Ansätzen beschäftigen Sie sich dabei selbständig und eigenverantwortlich mit Fachliteratur, Online-Quellen und Software. Durch die Fernlehre sind Sie etwas flexibler in Ihrer Zeiteinteilung und müssen nicht so oft zum BFI Salzburg anreisen, wie in vergleichbarer, rein stationären Beschulung. Diese Flexibilität innerhalb einer – häufig herausfordernden –  berufsbegleitenden Ausbildung wird gleichermaßen als familienfreundlich wahrgenommen und für den Ausbau von Eigenständigkeit geschätzt.

Lehrplan und inhaltlicher Schnelldurchlauf

Formal ist die Werkmeisterschule für Mechatronik am BFI Salzburg inhaltlich und bezüglich der Unterrichtsstunden einem Lehrplan unterworfen, der auf HTL.at zum Download bereit steht. Hier ein kurzer Schnelldurchlauf daraus abgeleiteter Inhalte, die Sie erwarten, wenn Sie Meister/in der Mechatronik am BFI Salzburg werden:

  • Die Sprache der Physik und demnach auch der Mechatronik, ist und bleibt die Mathematik. Sie lernen demnach eine Sprache, einen Formalismus, der Sie befähigt, mechatronische Zusammenhänge exakt verstehen und beschreiben zu können. Auch wenn heute moderne Taschenrechner und mathematische Software zur Verfügung stehen, ist es von vordergründiger Bedeutung, Mathematik möglichst ohne Hilfsmittel betreiben zu können. Nur dann nämlich sind Sie in der Lage, Ergebnisse zu hinterfragen und abschätzen zu können. Die Fächer Angewandte Mathematik, Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik, Mechanik sowie Naturwissenschaftliche Grundlagen verfolgen daher die Zielsetzung, dass Sie Mathematik als wesentliches Werkzeug Ihrer mechatronischen Ausbildung wahrnehmen. Mathematik will geübt, will wiederholt sein. In den Individualphasen im Rahmen des Fernlernens stehen Ihnen dafür etliche Übungsmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Mechatronik beschäftigt sich in vielseitiger Art und Weise mit Automatisierungssystemen. Diesen wohnt inne, dass physikalische Umgebungserscheinungen sensorisch erfasst, elektronisch aufbereitet und informationstechnologisch – auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen – einer zweckbedingten, aktorischen Zielsetzung zugeführt werden. Im Fächerkonglomerat Mechatronik, (elektrische) Maschinen und Anlagen lernen Sie die Ein- und Ausgangsseite dieser Überlegungen kennen und damit umzugehen. Man zeigt Ihnen, welche technologischen Ansätze für das Erfassen einer mechatronischen Umgebung vorliegen, wie man elektronisch bzw. elektrotechnisch mit dem Output von Sensoren umgeht und wie Sie die gewonnenen Erkenntnisse – hin zu gezielten Aktionen – übermitteln. Diese Aktionen werden von Aktoren durchgeführt, die häufig in Kombination mit Stellgeräten betrieben werden – welches Stellgerät passt beispielsweise zu einem Drehfeldantrieb, wenn der Antriebszweck mechanisch spezifiziert ist? Kann mit Sanftanlassern gearbeitet werden oder muss man mit Frequenzumrichtern regeln? Neben diesen funktionellen Aspekten liegt ein stetes Augenmerk auf der Sicherheit mechatronischer Systeme. Elektrische Schutzmaßnahmen aller Art sowie die konkrete Umsetzung der Forderungen der Maschinenrichtlinie zeichnen sichere mechatronische Systeme aus.
  • Viele angesprochener Aktoren sind mechanischer Natur. Elektrisch oder über Fluide getriggert, sind sie steter Begleiter in mechatronischen Systemen. Der Unterrichtsgegenstand Hydraulik und Pneumatik ergänzt die elektrischen Maschinen um weitere, mechatronische Arbeitsmaschinen wie Zylinder, Fluidmotoren und deren Stellgeräte – Ventile in etlichen Variationen.
  • Aktoren, Übertragungsglieder, Rahmenkonstruktionen, Metallbau im Allgemeinen wollen im Sinne eines geschäftseigentlichen Zwecks oder interner Anwendung verstanden und gefertigt werden. Bereits angeführter Unterrichtsgegenstand Mechanik liefert Ihnen dafür das notwendige Set an formalem Verständnis, während Sie im Fach Fertigungstechnik mit gängigen Produktionsverfahren konfrontiert werden.
  • Wenn ein mechatronisches System sensorisch und aktorisch definiert ist, geht es nun darum, Leben im Sinne von Funktionsintelligenz einzuhauchen, also Ein- und Ausgangsseite zu verheiraten und allenfalls rück zu koppeln. Diese Verbindungen können in einem klassischen Ansatz durch Kontaktierung und geeignete Betriebsmittel erfolgen, viel mehr wird heute jedoch programmiert. Auf der Ebene industrieller Anlagen kommen dafür Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), Industrie-PCs oder eingebettete Systeme zum Einsatz, während in mechatronischen Geräten Microcontroller auf individuell designten Platinen verwendet werden. In den Fächern Elektronik und Digitaltechnik sowie Steuerungs- und Regelungstechnik erhalten Sie ein fundiertes Rüstzeug, die Hardware von I/O-Systemen zu verstehen und Controller in verschiedenen Sprachen programmieren zu können.
  • Nicht zuletzt zeichnet Meister/innen der Mechatronik aus, dass sie über ihren fachlichen Tellerrand hinausblicken können. Rechtsverständnis zählt hier ebenso dazu, wie wirtschaftliches Denken und Handeln unter ökologischen Gesichtspunkten. Das Fächerkonglomerat Kommunikation und Schriftverkehr, Wirtschaft und Recht, Mitarbeiterführung und Ausbildung, Betriebs- und Umwelttechnik fundamentiert das Ziel, entweder als Selbständiger oder in leitender Position in Industrie und Gewerbe, die Dinge nicht nur beim mechatronischen Kragen zu packen, sondern ganzheitlich an Aufgabenstellungen heranzugehen.
  • Wie alle Fachrichtungen der Werkmeisterschule am BFI Salzburg schließen Sie Ihre Ausbildung mit einem umfassenden mechatronischen Meisterprojekt ab. Entgegen andere Prüfungsmodelle, die auf eine harte Prüfungswoche setzen, lernen Sie durch das Umsetzen eines Projekts – gerne gesehen in Kooperation mit Ihrem Arbeitgeber – viele der bisherigen Inhalte praxistauglich miteinander in Beziehung zu setzen. Der Lernerfolg ist im Regelfall innerhalb des Projektansatzes nachhaltiger und entspricht dem, was Sie später häufig tun: Projekte realisieren.